Anforderungsprofil Snowboardcross

Sportartenprofil Snowboardcross

Snowboard Cross ist, wie auch die anderen Disziplinen, den apparatetechnischen Sportarten zuzuordnen und als solche zunächst von der Beherrschung der spezifischen Technik und Koordination abhängig. Nur mit der entsprechenden Technik wird das Sportgerät optimal genutzt. Im Snowboardcross gilt es einen Parkours aus Schnee mit vielfältigen Anforderungen gleichzeitig mit Gegnern so schnell wie möglich zu durchfahren. Im Parkours treten dabei große Kräfte auf, die sowohl in der Bein- wie auch in der Rumpfmuskulatur kompensiert werden müssen. Maximal- und Schnellkraftfähigkeit des Sportlers werden hier gefordert. Zudem spielt vor allem die Kraftausdauer eine herausragende Rolle.

Die Feinkoordination, zur Regulierung - Stabilisierung der Rumpf- und Beinachse unter mittleren bis hohen Lasten, muss über die komplette Wettkampfdauer auf einem hohen Niveau gehalten werden können. Dies ist die Voraussetzung zur Umsetzung der spezifischen Technik und der damit verbundenen Verletzungsprävention.

Vorgegebene Anforderungen

Die vorgegebenen Faktoren bilden den Rahmen, in dem sich der Snowboard Cross Leistungssport bewegen muss. Neben der Wettkampfstruktur und der im Reglement beschriebenen disziplinspezifischen Anforderungen gibt der Wettkampfkalender den zeitlichen Ablauf vor.

Wettkampfstruktur

Nach den Olympischen Spielen gibt es bei der FIS, dem Dachverband und weltweit höchsten Organ für den internationalen Ski – und Snowboardsport mehrere Kategorien an Wettkämpfen.

An deren Spitze steht die alle 2 Jahre, jeweils in den ungraden Jahren stattfindende Weltmeisterschaft (WSC) gefolgt von dem Weltcup (WC), Europacup (EC) und der untersten internationalen Ebene den FIS Wettkämpfen.

Innerhalb der FIS Wettkämpfe gibt es noch die Junior FIS Bewerbe, bei denen jeweils nur die vier jüngsten international startberechtigten Jahrgänge (Saison 2020/21, Jahrgang 2002, 03, 04, 05) zugelassen sind (FIS-ICR, 2021).

Sportlicher Saisonhöhepunkt ist die jährliche Junioren Weltmeisterschaft (WJC) dieser vier Jahrgänge.

Reglement

Die disziplin- und wettkampfspezifischen Details werden im FIS Reglement präzise beschrieben und gesteuert.

  • Parkours aus Schnee mit verschiedenen Elementen (Wellenbahnen, Steilkurven, Sprüngen)
    • Länge: 800-1300m
    • Höhendifferenz: 70-260m
    • Startgerade: ca. 100m
    • Laufzeit: ca. 1 - 2 min
  • Wettkampfverlauf
    • Qualifikation auf Zeit (2 Läufe)
    • Finalläufe zu viert (sechst), die ersten 2 (3) steigen in die nächste Runde auf (single K.O.)
  • Coaching ist vor und nach den einzelnen Läufen erlaubt
  • Gewicht Snowboard+Bindung+Boots ca. 7-9 kg

In der olympischen Disziplin Snowboardcross Mixed Team werden jeweils Teams aus einer weiblichen Fahrerin und einem männlichen Fahrer gebildet. Es entscheidet die addierte Zeit beider Teammitglieder über ein Weiterkommen in die nächste Runde. In der Praxis starten die Männer im jeweiligen Heat zuerst. Nachdem alle Männer des Heats im Ziel sind, öffnen sich die Startklappen der Teamkolleginnen zeitlich versetzt in den entsprechenden Abständen des Zieleinlaufs der Männer. Der Zieleinlauf der Damen entscheidet dann wie gehabt im single K.O.-Verfahren über das Weiterkommen oder Ausscheiden der Teams.

Wettkampfkalender

Der Wettkampfkalender gibt den zeitlichen und geographischen Rahmen innerhalb der Wettkampfstruktur, von Junior FIS Wettkampf bis zu den OWG vor. Dieser wird für alle Wettkämpfe außer OWG jährlich im September erstellt. Der aktuelle Wettkampfkalender der FIS ist hier zu finden.

Disziplinspezifische Anforderungen

  • Emotionsprofil: Furchtlosigkeit, Risikobereitschaft, Stressresistenz, Ehrgeiz, (Sieges-)Wille und Selbstbewusstsein
  • Mentale Qualitäten: Fokus, Druckregulation, Visualisierung, Antizipation, Disziplin, Zeitmanagement, Risikomanagement, Umfeldmanagement
  • Wettkampf- und Trainingsbelastung: mehrmalige anaerob-laktazide Belastung.
  • Anthropometrie: Herren: mind. 1,80m Größe und 80kg Gewicht, Damen große Unterschiede in der Weltspitze
  • Beweglichkeit: Zusammenspiel Sprunggelenk, Hüfte und Knie. Höherer Bewegungsumfang ermöglicht effektivere Technik (Startbewegung, Absorption)
  • Stabilität: Schnelle dynamische und isometrische Bewegungen der unteren Extremitäten erfordern eine hohe Rumpfstabilität
  • Rolle der koordinativen Fähigkeiten: Gleichgewicht, Präzision, Timing, Orientierung und Differenzierung spielen eine große Rolle
  • Belastungsprofil: Anaerob-laktazide Anforderung während der Läufe mit Pausenzeiten von mind. 5 min (je nach Transportmittel, Streckenverlauf und Phase im Wettkampfverlauf)
  • Kraftfähigkeiten:
    • exzentrisch - Landungen, Kurvenfahrt
    • konzentrisch - Roller, Start, Sprünge, Kurvenausfahrt
    • isometrisch - Gleiten
  • Schnelligkeit: Reaktionsschnelligkeit (Start), Beschleunigungsschnelligkeit (Startzug, Startsection, Pushbewegung), Schnellkraft (Absorption Kicker, Roller, Ollies)
  • Mechanische Belastungen: Stürze, Stöße bei Landungen, Kompressionen in Transitions
  • Max. Geschwindigkeiten: im Weltcup bis zu 90 km/h; Durchschnittsgeschwindigkeit ca. 60 km/h

Bewegungsfertigkeiten

TechnikenPhysische Voraussetzungen
CarvetechnikGute Rumpfkraft und Spannung, hohe Beinkraft
RollertechnikHohe Beweglichkeit Hüfte, Knie und Sprunggelenk
KickertechnikHohe Beweglichkeit Hüfte, Knie und Sprunggelenk, hohe Rumpf- und Beinkraft
Gleitenisometrische Kraftaufwendung, Rumpfkraft, Beweglichkeit Sprunggelenk, Sensomotorik Fußsohle

Kognitive Voraussetzungen: allgemeine Wahrnehmung (akustisch, visuell, kinästhetisch, vestibulär) um Gegnerverhalten zu antizipieren, situative Anpassung der eigenen Technik ohne Einbußen der Performance.

Taktische Anforderungen

Die Individualtaktikt ist abhängig von der Streckenbeschaffenheit und -führung sowie den individuellen technischen Fertigkeiten der Athleten.

Möglichkeiten zu taktieren:

  • Gatewahl mit Startvariationen
  • Linienwahl und Variationen (Unterschiede Goofy vs Regular)
  • Startdominant vs Streckendominant
  • Windschatten
  • Sturzvermeidung
  • Qualifikationslinie vs Heat-Linie

 

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